Sich verirren und nach Hause finden
Psalmen 139:23-24
Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz! Prüfe mich und erkenne meine Gedanken! Sieh, ob ein gottloser Weg mich verführt, und leite mich auf dem ewigen Weg!
Plötzlich
stand ich da ohne Arbeit, Einkommen, Kirche, Zusammenhang, Energie
und Wohnung.
Mit 19 Jahren war ich an meine Grenzen gestoßen.
Ich hatte eine Bibelschule besucht von der ich
dachte, dass sie
mir gut tun würde damit ich mich besser fühle. Stattdessen stieß
ich
ein Jahr später ein zweites Mal an meine Grenzen. Wie bin
ich hier gelandet?
Nachdem ich an meine Grenzen gestoßen war,
verbrachte ich eineinhalb Jahre als Freiwilliger in einem Kloster.
Zum Teil, weil ich dort Essen und Unterkunft bekam. Aber man
durfte nicht länger als ein Jahr als Freiwilliger im Kloster
bleiben, also musste ich mich nach Ablauf dieser Zeit wieder auf
die Suche machen.
Ich kam an eine Volkshochschule an der
Westküste. Dort belegte ich einen Kurs der entwickelt worden war, um
Menschen zu helfen die unter anderem einen Burnout hatten. Er hieß
„Kreativer Fokus”. Dort konnte ich meine Kreativität
weiterentwickeln.
Ich begann auch eine Therapie. Der Psychiater
zu dem ich ging, sagte mir, dass er glaube ich sei in einer Sekte
gewesen, da ich alle Symptome dafür habe.
Erst zu diesem
Zeitpunkt mehrere Jahre nachdem ich diesen sektenähnlichen
Zirkel
verlassen hatte begann ich zu verstehen, was ich erlebt hatte. Als
ich das erkannte, kam eine neue Krise.
Alles was sie in der
Bibelschule gesagt hatten, hatte in mir ein Fundament aus Dingen
geschaffen, die nicht immer so gut waren, und nun brach es zusammen.
Neue Tiefen des Unwohlseins erschütterten mich. Ich verlor den Halt
und begann psychotisch zu werden. Es war ein schrecklich schwieriger
Zustand in dem ich leben musste.
Nach einer Zeit in
der Psychiatrie bekam ich Hilfe dabei, ein neues Verständnis
der
Realität aufzubauen. In dieser Krisenzeit verlor ich immer mehr den
Kontakt zur
christlichen Kirche in ihren verschiedenen Formen.
Der Besuch der Kirche erinnerte mich zu sehr an die Sekte.
Ich
musste neu anfangen, spüren was in mir vorging, lernen eigene
Entscheidungen zu treffen und ein neues Bild von Gott aufbauen.
In
der Bibelschule hatten wir gelernt zu gehorchen, aber nicht zu prüfen
und nachzudenken. Ich war so sehr beeinträchtigt, dass ich mich
nicht einmal entscheiden konnte, ob ich nach links oder nach rechts
gehen wollte, wenn ich spazieren ging. Ich konnte keine eigenen
Entscheidungen treffen ohne auf eine Zustimmung zu warten.
Grundlegende Gehirnfunktionen waren gewissermaßen abgeschaltet
worden und funktionierten nicht mehr normal.
Mit der Zeit
begann ich meinen Willen, meine Meinungen und meine eigenen Gedanken
wiederzufinden.
Ich begann zu verstehen dass meine Gedanken,
Gott würde mich hassen nicht wahr waren. Allmählich gelang es mir,
mich tiefgreifend von der Kultur und den Lehren der Sekte zu
lösen.
Ich fühlte mich nun gut genug um eine Kunstausstellung
über das Altern und darüber zu gestalten, wie man das Positive am
Reifen und Älterwerden sehen kann. In der Ausstellung zeigte ich
Bilder zu diesem Thema. Ich schrieb mein erstes Buch „Die Freude am
Altern” mit Fotos dieser Bilder und dazugehörigen Gedichten.
Aber meine Sehnsucht
nach Gemeinschaft war immer noch da. Langsam wagte ich mich wieder
näher an die Kirche heran und verspürte ein gesundes Verlangen
danach, in einem christlichen Umfeld zu sein.
Auf meiner Suche
kam ich zur Saronkirche in Göteborg. Dort konnte ich hingehen, so
wie ich war.
Unter anderem gab es dort eine Aktivität, die sie
„Samtal pågår” (Gespräche im Gange) nannten. Dabei
ging
es darum, dass man in der Gruppe über verschiedene Dinge sprechen
konnte, die mehr oder
weniger stark mit Glauben, Kirche und
Ähnlichem zu tun hatten. In diesen Gesprächen konnten
ich und
andere Menschen unsere Gedanken und Überlegungen äußern, die mit
Neugier und Respekt aufgenommen wurden.
Es schockierte mich,
dass die Vertreter der Gemeinde diese Art von Gesprächen förderten.
Sie akzeptierten sogar, wenn die Anwesenden manchmal kritische oder
hinterfragende Fragen stellten.
Sonntag für Sonntag ging ich in
die Kirche. Ich dachte nach und probierte alles aus, was ich
lernte,
und verglich es mit dem, was ich in der Bibelschule gelernt hatte.
Ich war erschüttert, als ich merkte dass Vieles was ich für wichtig
und wahr gehalten hatte nun nicht mehr so selbstverständlich oder
vielleicht sogar falsch erschien. Nach und nach lernte ich eine
Lüge
nach der anderen zu durchschauen.
Was von der Kanzel
in Saron gesagt wurde unterschied sich oft grundlegend von dem worauf
ich
bisher mein Leben aufgebaut hatte von dem was mich so
unglücklich gemacht hatte. Sicherlich
gab es Gemeinsamkeiten.
Nicht alles was in der Bibelschule gesagt worden war, war schlecht.
Aber die neuen Erkenntnisse und Einsichten, die ich gewonnen hatte
sollten gute Früchte tragen.
Während dieser Zeit drehte ich
auch einen Film über die Ausstellung „Die Freude des Alterns”.
Ich begann herumzureisen und den Film zu zeigen, der aus
Bildern, Musik und eingelesenen
Gedichten bestand und sprach
über das Thema hinter der Ausstellung, dem Buch und dem Film. Es war
ein Prozess der Wiedergutmachung, diese Ausstellung und die Vorträge
zu machen. Ich hatte viele schöne Begegnungen mit Menschen in diesem
Zusammenhang.
Ein anderer christlicher Kontext, der für
mich eine große Bedeutung erlangt hat, ist einer, der „De brustnas
camping” (Der Campingplatz der Gebrochenen) genannt wird.
Ursprünglich war es eine Veranstaltung, die im Zusammenhang mit
der Konferenz der Oasenbewegung organisiert wurde.
Dort
begegnete ich erneut einer charismatischen Bewegung, die äußerlich
sehr an das erinnerte,
was ich in der Sekte erlebt hatte. Aber
mit dem wesentlichen Unterschied, dass hier die Theologie und die
Kultur anders waren. Auf dem „Campingplatz der Gebrochenen”
erhielt ich Unterstützung und Hilfe um meine Ängste und
Erinnerungen in Gesprächen und Gebeten zu verarbeiten.
Dort begegnete ich dem Herrn zu wahrer Heilung, zu Aufrichtung
und Befreiung von dem was mich gebunden und belastet hatte.
Ich habe in meinem
Leben viel psychische und physische Krankheit erlebt. Ich bin von
einer Sehnsucht nach Gott dazu übergegangen, nichts mehr mit ihm zu
tun haben zu wollen, um dann wieder auf Gott zu treffen. Ich bin
davon übergegangen, ihn zu lieben, mich zu verirren und
gegen
die Wand zu laufen, um dann wieder Gott zu suchen und in Gebet und
Stille zu leben. Ich wurde von Irrlehren in die Irre geführt, um
dann erneut von der Wahrheit begeistert zu sein,
neue Wege zu
finden und Gerechtigkeit zu erlangen.
Aber wenn man sich
verirrt, braucht man Hilfe, um wieder nach Hause zu finden. In meinem
Fall habe ich diese Hilfe bekommen. Das hat dazu geführt, dass
ich die Motivation bekommen habe, noch mehr darüber zu lernen,
was richtig und was falsch ist, sodass die Gefahr, dass ich mich noch
einmal verirre, jetzt geringer ist. Ich habe nach Wissen gesucht und
auf dieser Reise sehr viel gelernt.
Aber es gibt noch unendlich
viel mehr zu entdecken!
Auch wenn das Leben oft schwierig sein
kann, kann Gott uns in seiner Gnade helfen, wichtige Weisheiten zu
erkennen und neue und wichtige Dinge zu lernen. Vor allem, wenn wir
es wagen,
offen und neugierig zu sein, was er uns lehren
möchte.
Ich sehe es so, dass ich erst an meine Grenzen stoßen
und Panik verspüren musste, weil ich
in dieser ungesunden
Gemeinde war, um schließlich zu verstehen, dass bestimmte Lehren
nicht gut waren.
Sonst hätte ich mein Leben weiterhin von den
Irrlehren bestimmen lassen und hätte dann
weiterhin versucht,
sie an andere weiterzugeben und so das Leiden auf viele Andere
übertragen.

















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